Lukas Kollmer

lebt in Wien.

Bisherige Publikationen im Luftschacht Verlag: autorenmorgen01 (Anthologie, 2002), NIHIL (Roman, 2003), Schlächtervergessen (Erzählung, 2005)

Surveillance, Gewaltdarstellung, Rebrutalisierung. Eine Dystopie oder ein Paralleluniversum unserer gegenwärtigen europäisch-„westlichen“ Gesellschaft. Ein polarisierendes Konzentrat gesellschaftlicher Extreme.

Eine Großstadt: Lückendichte staatliche Kontrolle bestimmt über Teilnahme oder Ausschluss, über den Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Die Realitäten der Massenmedien und der Erinnerungen verschwimmen zunehmend zum einzig verbleibenden Lebensraum.
Der erzählende Protagonist ist erstarrt in einem Zustand der Resignation. Seine höchsten Regungen sind die der Selbstausbeutung und -zerstörung. Das Jobangebot einer Filmproduktionsfirma bringt ihn in ein Naheverhältnis zu einem geheimbündlerischen Medienmagnaten und dessen Projekt der Schöpfung industriell gefertigter Opferkreaturen. Ein oft komischer, dadurch nicht weniger ernster Trip durch ein gleichsam albtraumhaftes kollektives Unterbewusstsein beginnt.

Anomia, das ist die Empfindung unzureichender sozialer Integration, von Entfremdung, von Macht- und Hilflosigkeit, Einsamkeit. Lukas Kollmer beschreibt sie mit Lust an der surrealen Überspitzung gesellschaftlicher Extreme und erzählt in schnellen Sequenzen voller Anschnitte und Implikationen. Deutlich sichtbar die Referenzen an William S. Burroughs und David Cronenberg in ihrer Auseinandersetzung mit Körper und Fleisch, deren Bedeutung und Ausdruck im menschlichen Dasein, deren Instrumentalisierung in Erschaffung und Zerstörung. (Luftschacht, www.luftschacht.com)

„[...] Diese Fesselung an den gegebenen Zustand und die Einkerkerung in die gegebenen Verhältnisse tragen alle Figuren der Novelle mit ihren Körpern aus. Diese Körper werden zu Symptomen, zu materiellen Speichern, die die Verhältnisse visualisieren, indem sie ihnen zum Opfer fallen. Die Körper aller Figuren, [...] sind der rote Faden, an dem entlang sich die Szenerie entfaltet. Der Körper als Touchscreen, auf dem und in dem sich der soziale Film abspielt. [...] Die zukünftigen (schon im Ansatz gegenwärtigen) Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik lassen die klassischen Formen der Revolution alt aussehen. In Anomia wird auch nicht mehr Bezug auf sie genommen. Aber Lukas Kollmer zeigt uns den Kriegsschauplatz, auf dem die zukünftigen Kriege stattfinden werden: Es ist der genetische Code, das Programm, das nunmehr dem Körper vorgeschrieben wird, bevor es sich einschreibt.“ (Alexander Schießling, Anomia von Lukas Kollmer: Die Gesellschaft als Schlachthof, ST/A/R Nr. 21/März 2009, Literaturbeilage, www.star-wien.at)